Startstories.de

Interview mit Janosch Sadowski, CEO und Mitgründer von Kolibri Games

In einer Studenten-WG gründete Janosch gemeinsam mit Freuden die Mobile Games Firma Kolibri Games. Wie es zu der Idee gekommen ist und was wir in Zukunft vom Team der Mobile Games Firma erwarten könntet, erfahrt ihr im Interview mit Janosch.

Kannst du dich kurz vorstellen und erklären, was dein Unternehmen genau macht?

Mein Name ist Janosch Sadowski. Ich bin CEO und Mitgründer von Kolibri Games, einer Mobile Games Firma, die ich 2016 mit Freunden in unserer Studenten-WG gegründet habe. Zusammen haben wir in acht Wochen einen Prototyp für ein Spiel entwickelt und auf den Markt gebracht. Das Spiel, Idle Miner Tycoon, wurde ein Hit und wird heute von Millionen von Spielern überall auf der Welt gespielt. Der Erfolg des Spiels hat es uns erlaubt, ein zweites Spiel herauszubringen und innerhalb weniger Jahre eine über 100 Köpfe starke Firma in Berlin Kreuzberg aufzubauen, die wir Anfang des Jahres an den internationalen Spiele-Giganten Ubisoft verkaufen konnten.

Heute arbeitet unser Team daran, unsere Titel basierend auf Spielerfeedback zu verbessern und neue Spiele zu entwickeln.

Wie ist die Idee zu Kolibri Games entstanden?

Meinen Mitgründern und mir war schon immer klar, dass wir eine erfolgreiche Firma gründen wollten. Wir hatten uns während des Studiums am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) kennengelernt und schon in einer studentischen Unternehmensberatung, sowie verschiedenen Startup-Projekten, in verschiedenen Konstellationen zusammengearbeitet. Obwohl nicht ohne Traction, haben unsere ersten Versuche nicht nach unseren Vorstellungen skaliert.

Zu der Zeit spielten wir alle gerne Mobilegames. Als wir dann feststellten, dass eins unserer Lieblingsspiele, Clash of Clans, Milliardenumsätze im Jahr macht, fassten wir den Entschluss, selbst ein Spiel zu entwickeln.

Unser erster Versuch ging ziemlich schief – ein viel zu ambitioniertes Projekt, das mit unseren Mitteln wahrscheinlich nie fertig geworden wäre. Nach einem halben Jahr brachen wir ab und fingen ganz von vorne an. Diesmal mit einem anderen Ansatz: Es sollte schnell ein „minimum viable product“ her, wir haben uns dafür 8 Wochen als Limit gesetzt. Aus pragmatischen Gründen und weil wir einen Trend gesehen haben, entschieden wir uns für ein „Idle Game“.  In diesen Spielen geht es oft um Ressourcenmanagement und die namensgebende Charakteristik ist, dass das Spiel auch Fortschritt macht, wenn der Spieler „Idle“ ist – also gerade nicht aktiv spielt.

Nach zwei Monaten Entwicklungszeit war die erste Version von Idle Miner Tycoon fertig. Eine simple Minensimulation mit einfacher 2D-Grafik, bei der Spieler durch geschicktes Investieren von Ressourcen ein Minenimperium aufbauen können. Das Idle-Genre war damals noch weitestgehend unerforscht und unser extrem zugänglicher Prototyp fand schnell Anklang, von ein paar Hundert Downloads zu schnell Tausenden am Tag. Basierend auf diesem Erfolg, und auf dem Feedback unserer Spieler, entwickelten wir das Spiel dann stetig weiter und tun dies auch heute noch.

Wie sieht euer Team heute aus?

Heute arbeiten ca. 100 Kolibris in unserem Büro in Berlin-Kreuzberg. Die Hälfte davon arbeitet an unseren existierenden Titeln und an der Entwicklung neuer Spiele. Die andere Hälfte kümmert sich um unsere Player Community, das Marketing und Finanzwesen, sowie alle anderen administrativen Aufgaben.

Unser Team ist verhältnismäßig jung und extrem divers: wir kommen aus über 30 Ländern und sprechen über 20 Sprachen.

Was sind eure größten Erfolge bisher?

Im Juli 2019 erreichten wir mit unseren Spielen insgesamt 100 Millionen weltweite Downloads – einer unserer größten Meilensteine bis heute. Der Gedanke, dass dieses Spiel, das wir damals zu fünft in der WG entwickelt haben, heute in über 20 Sprachen überall auf der Welt von Jung und Alt gespielt wird, ist bis heute surreal.

Dazu kommt natürlich der Verkauf der Firma an Ubisoft Anfang dieses Jahres. Wir als Gründer und unser Team haben vom ersten Tag an alles gegeben, um eine erfolgreiche Firma aufzubauen. Jetzt sind wir Teil einer der größten und erfolgreichsten Games-Familien der Welt und sind unglaublich stolz zu ihrem zukünftigen Erfolg beitragen zu können. Gleichzeitig sind wir natürlich dankbar von diesem reichen Netzwerk, voll mit Expertise in allen Bereichen der Spieleentwicklung, für das eigene Wachstum profitieren zu können – für uns ist diese Entwicklung eine tolle Anerkennung unserer Arbeit.

Was sind eure größten Herausforderungen?

Auf Produktseite arbeiten wir hart dafür, unseren Platz an der Spitze des Idle-Genres zu behalten. Der Erfolg dieser Spiele hat sich, auch aufgrund unserer Arbeit, über die letzten Jahre herumgesprochen, sodass heute viele Anbieter mit verschiedenen Konzepten am Markt sind. Vor allem durch sehr enge Zusammenarbeit mit unseren Spielern haben wir es geschafft, Idle Miner Tycoon zu einem nachhaltig erfolgreichen Spiel aufzubauen und wir erforschen stets neue Wege, um das Produkt noch näher an die Bedürfnisse unserer Community anzupassen, durch Datenanalyse zum Beispiel.

Was begeistert dich am Meisten an deinem Job?

Mich begeistert, dass ich jeden Tag die Chance habe, etwas Neues zu lernen – sei es auf einer fachlich-technischen Ebene, zwischenmenschlich in meiner Rolle als Manager oder als Geschäftsführer.

Was können wir in Zukunft noch von Kolibri Games erwarten?

Unser Ziel war es immer, Spiele zu entwickeln, die auch in fünf oder zehn Jahren noch erfolgreich sind. Wir werden also weiterhin daran arbeiten, Idle Miner Tycoon zusammen mit unseren Spielern zu erweitern und verbessern.

Gleichzeitig können wir natürlich kaum erwarten, die Erfahrungen, die wir mit unseren ersten beiden Titeln gewonnen haben, auf neue Projekte anzuwenden. In Zukunft werden wir also nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Spielen das Idle-Genre dominieren.

Was würdest du im Rückblick bezogen auf Kolibri Games anders machen?

Klar ist nicht immer alles perfekt gelaufen über die Jahre, aber es gibt keine Entscheidung, die ich heute wirklich bereue. Wir haben immer viel Wert daraufgelegt, aus unseren Fehlern zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Deshalb bleiben mir selbst größere Fehltritte heute nur als Lernmöglichkeiten in Erinnerung.

Wenn du Gründern einen Rat geben könntest – welcher wäre das?

Arbeitet hart, nicht nur am Produkt, sondern an dir. Lies Bücher über Führung, hör Podcasts über Business. Wer als Musiker für 10.000 Leuten auftreten will, muss auch jeden Tag üben – das ist in unserem Geschäft nicht anders. Die notwendigen Skills für die Führung einer Firma, das Skalieren eines Produkts, die muss man erlernen und üben. Scheut euch nicht davor, anderen Gründern Löcher in den Bauch zu fragen. Besonders zu Anfang haben wir jeden Gründer, der nicht bei drei auf dem Baum war, um Hilfe oder Ratschläge gebeten. Das hat uns dabei geholfen, schon früh vielen Problemen aus dem Weg zu gehen und übliche Fehler zu vermeiden. Darüber hinaus baut ihr euch so schon frühzeitig ein Netzwerk auf, auf das ihr gegebenenfalls später zurückgreifen könnt.