Interview mit MyParfum Gründer Matti Niebelschütz

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Individualität ist heutzutage immer stärker gefragt. Warum also nicht auch einen individuellen Duft tragen? Diese Überlegung hat Matti Niebelschütz dazu gebracht, MyParfum zu gründen. In dem nachfolgenden Interview berichtet er ausführlich über die Hintergründe des Unternehmens, wie das Konzept von MyParfum eigentlich genau funktioniert und der persönliche Duft kreiert werden kann. Außerdem erfahrt ihr interessante Details zu der Entstehung von MyParfum und was eigentlich das Besondere daran ist.

​Wie ist die Idee zu MyParfum entstanden?

Die Idee ist mir vor einigen Jahren im Gespräch mit Freundinnen auf einer Geburtstagsfeier gekommen. Eine sehr gute Freundin hat berichtet, dass sie sich gerade ein neues Parfum gekauft hat. Kurz darauf ist ihr eine andere Frau mit dem identischen Duft über den Weg gelaufen. Wir habe uns gefragt, warum in Zeiten von immer mehr Individualität die Menschen als Duftdoppelgänger ein Parfum von der Stange tragen. So entstand die Idee für jeden Menschen ein individuelles Parfum zu erstellen.

Was ist das Besondere an MyParfum?

Bei MyParfum schlüpft der Kunde selbst in die Rolle des Parfümeuers. Aus 50 exklusiven Duftnoten kann das persönliche Duftunikat zusammengestellt werden. Bisher sind wir bereits mit unserer Website (www.myparfum.de) sehr erfolgreich, in Zukunft wollen wir zunehmen auch vor Ort Fuß fassen. Ein erstes Atelier in Berlin-Mitte (Reinhardtstr. 7, 10117 Berlin) haben wir bereits vor einigen Monaten eröffnet. Bei der Kreation des eigenen Parfums wird der Kunde durch umfangreiche Empfehlungen unterstützt. Sollte des Kunde doch einmal nicht 100%ig zufrieden sein, erhält er sein Geld zurück.

Welches Konzept steht hinter eurer Idee?

MyParfum setzt auf zwei Megatrends im weltweiten Beautymarkt. Zum einen die wachsende Bedeutung von individuellen Produkten und Dienstleistungen. Die Kunden wollen sich nicht länger von der Industrie bevormunden lassen. Zum anderen setzten wir auf großen Dynamiken im 14 Milliarden € Parfummarkt, die sich durch die zunehmende Digitalisierung des Marktes (Wachstum des Onlinehandels) ergeben. Im Onlinehandel implementieren wir unseren Duftgenerator (den sogenannten „MyParfum-Duftdesigner“) in die Websites unsere Partnerparfümerien, die somit ihr Sortiment vervollständigen können und ihren Kunden einen Zusatzservice bieten können.
Im klassischen stationären Handel setzten wir auf die Implementierung unserer „MyParfum-Duftbar“ in die Parfümerie-Filialen vor Ort. Kunden können sich dort in Ruhe durch das Sortiment schnuppern und anschließend ihre eigene Kreation erstellen. Unsere Handelspartner profitieren von attraktiven Margen und können sich durch den innovativen Zusatzservice vom Wettbewerb abgrenzen und Ihre Kunden an sich binden.

Wie kann man sich sein individuelles Parfum designen?

Sowohl online als auch vor Ort wird der Kunde zu jeder Zeit unterstützt. Im ersten Schritt wählt er einen Duftcharakter aus, der die Richtung der späteren Kreation bestimmt, wie beispielsweile männlich elegant oder weiblich sportlich. Anschließend empfehlen wir unseren Kunden die jeweils zu ihm passenden Noten, von denen er bis zu sechs Düfte auswählen kann. Im dritten Schritt kann der Kunde ein Flakon auswählen und individuell beschriften oder auch ein eigenes Foto auf das Flakon drucken lassen. Das Ergebnis: Ein garantiert einzigartiges Duftunikat!

Welche Zielgruppe sprecht ihr an? Fühlen sich eher Frauen angesprochen?

Grundsätzlich ist der Parfummarkt generell sehr weiblich. Entsprechend sind auch rund 70% unserer Kunden weiblich. Die Altersgruppen der Mittzwanziger zu den Mittfünfzigern ist nahezu gleich verteilt. Darunter ist die Nachfrage zwar sehr groß, jedoch reicht häufig das eigene Einkommen für diesen kleinen Luxus aus. Ältere Kunden sind statistisch gesehen weniger Internetaffin, und machen daher einen kleineren Anteil unserer Online-Kundschaft aus. Vor wenigen Wochen konnten wir unsere 88.888 Kundin begrüßen.

Was für Inhaltsstoffe beinhalten eure Parfums? Sind sie auf Hautverträglichkeit getestet?

Für unsere Parfums verwenden wir ausschließlich Premium-Duftstoffe von ausgewählten langjährigen europäischen Partnern. Unsere Duftnoten kommen vorwiegen aus den sonnigen Regionen Europas, wie Süd-Frankreich, Italien und Spanien. Alle Duftstoffe sind selbstverständlich tierversuchsfrei und auf Hautverträglichkeit getestet. Mit über 132.000 individuell gefertigten Parfums können wir als weltweiter Marktführer auf eine große Expertise in Sachen Duft zurück schauen.

Wo überall kann man ein MyParfum bekommen? Agiert ihr schon weltweit oder zunächst lokal?

Derzeit sind wir Online im deutschsprachigen Raum mit eigenen Websites für Deutschland und Österreich vertreten. In wenigen Wochen starten wir unsere englischsprachige Website mit Hauptaugenmerk auf den englischen und den skandinavischen Markt. Auch eine französischsprachige Version unserer Website ist derzeit in Arbeit. Im Offline-Bereich sind wir derzeit bereits mit einem Parfum-Atelier in Berlin-Mitte vertreten.
Weitere Flagship-Stores in den wichtigsten deutschen Großstädten und europäischen Metropolen werden folgen. In die Breite gehen wir über den Vertrieb unserer individuellen Parfums über den Parfümerie-Handel. In diesem Jahr wird es uns in ersten Filialen auch vor Ort geben. Anfragen erhalten wir jedoch bereits aus über 100 Parfümerie-Filialen aus ganz Europa.

Wie seid ihr mit der Insolvenz 2012/13 umgegangen? Was habt ihr daraus für die Zukunft gelernt und wie kam es zu der Insolvenz?

Ende 2012 ist das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, da wir zu schnell gewachsen sind. Im Vorjahr sind wir sehr erfolgreich im TV-Bereich gestartet und konnten im Weihnachtsgeschäft Wachstumsraten von 300-400% erzielen und gleichzeitig einen Jahresgewinn von über 70.000€ erwirtschaften. 2012 hatten wir uns dann übernommen. Wir haben das TV-Budget verzwanzigfacht, sind auf fast 80 Mitarbeiter und 1.000qm Produktionsfläche gewachsen. Leider war auf diesem großen Level der TV-Effekt jedoch ein andere als zuvor, die Kosten überstiegen die Umsätze und das Unternehmen rutsche in die Insolvenz.
In 2013 konnten wir das Unternehmen vollständig sanieren, neu Ausrichten und wieder auf einen profitablen Wachstumskurs bringen. Unsere neue Geschäftsführerin Carina Stammermann hat es dabei geschafft, das Unternehmen von einem reinen Online-Player durch die erfolgreiche Verknüpfung von On- und Offline zu einem Multi-Channel-Anbieter weiter zu entwickeln.
Zukünftig setzten wir nicht mehr auf einen einzigen Kanal um zu wachsen, sondern auf einen ausgewogenen Marketing- und Vertriebsmix. Außerdem steigern wir die Fixkosten nur in strenger Abhängigkeit vom Umsatzwachstum, um auch langfristig nachhaltig und stabil wachsen zu können.

Warum habt Ihr Euch zum Crowdfunding entschieden? Warum bei Companisto?

Crowdfunding bietet für uns die ideale Finanzierungform, um unsere Innovationsprojekte, wie die MyParfum-Duftbar für den stationären Parfümerie-Handel oder unsere internationale Expansion voran zu treiben. Ergänzend dazu bietet das Crowdfundig für uns durch seinen Marketing-Effekt einen wichtigen Mehrwert. Durch die große Öffentlichkeit konnten wir nicht nur unsere Umsätze steigern, sondern auch neue Vertriebspartner in Deutschland, Österreich und der Schweiz gewinnen. Zuletzt und vielleicht am wichtigsten beteiligen wir mit dem Crowdfunding eine Vielzahl an Privatinvestoren am Unternehmenserfolg.
Diese Menschen kommen aus allen Bereichen und sind gleichzeitig Multiplikatoren. Ihr Input hat uns in den letzten Wochen bereits enorm voran gebracht. Companisto ist für uns dabei die ideale Plattform. Als eine der führenden Anbieter in Europa Companisto ein zuverlässiger und erfahrener Partner. Gleichzeitig hat die Plattform eine große und sehr aktive Userbase. Auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit hat von Anfang an gepasst.

Welchen Vorteil haben die Investoren (Companisten)?

Unsere Investoren, die sogenannten Companisten, können sich bereits ab 5€ am Unternehmenserfolg beteiligen. Einige investieren jedoch auch Beträge von 10.000€ und mehr. Im Gegenzug erhalten alle Investoren eine Beteiligung am Unternehmenserfolg, d.h. an den erwirtschafteten Gewinnen, sowie an der Wertsteigerung des Unternehmens.
Darüber hinaus erhalten die Companisten verschiedene Prämien. Wer beispielsweise 250€ investiert, erhält zusätzlich zu seiner Beteiligung ein Duftset aus 5 Miniatur-Parfums. Wer 15.000€ investiert erhält zusätzlich zu seiner Beteiligung eine MyParfum-Goldcard (lebenslange 25% Rabatt) und VIP-Bagstage-Tickets zur Berliner Fashionweek.

MyParfum ist jetzt auch offline erhältlich, was sind die “Myparfum-Parfum-Ateliers” und in welchen Städten gibt es bereits welche?

Die MyParfum-Ateliers sind Erlebniswelten, in denen Kunden unsere Vielfalt an Düften kennen lernen können. Alle Noten können probeschnuppert werden. Unter Anleitung von erfahrenen Duftexperten können unsere Kunden auch vor Ort ihr individuelles Parfum selbst zusammenstellen. Darüber hinaus bieten wir regelmäßig Workshops an.
Bereits im letzten Herbst haben wir erfolgreich unser erstes Atelier in Berlin-Mitte eröffnet. Weitere Ateliers werden in den kommenden Monaten und Jahren in Hamburg, München und voraussichtlich Köln folgen. Auch Ateliers in Wien, London, Paris und anderen internationalen Großstädten stehen für die kommenden Jahre auf dem Plan.

Eure Firmenphilosophie in einem Satz?

Wir machen das Parfum einzigartig.

Was kann man in den kommenden Jahren von MyParfum erwarten?

In den kommenden Jahren werden wir unsere Position als Marktführer für individuelle Parfums und als Technologie-Führer ausbauen. Neben Produktneuheiten, wie der innovativen MyParfum-Duftbar und dem Online-Duftdesigner für Partner-Parfümerien, werden wir wichtige strategische Partner gewinnen und auch international erfolgreich Fuß fassen. Unsere Branche steckt noch in den Kinderschuhen – wir sind jedoch überzeugt, dass der internationale Durchbruch des individuellen Parfums auch den Durchbruch für MyParfum bedeutet. Wir freuen uns über alle Investoren, die das erst möglich machen und beim Crowdfunding dabei sind!

 

Informationen zum Autor

Annika Bieber

Annika Bieber

Annika ist Redakteurin bei Startstories. Zurzeit studiert sie Kulturwissenschaften (B.A.) an der Leuphana Universität Lüneburg.