Interview mit Stefan Zilch, Geschäftsführer von Spotify

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Spotify bietet seinen Nutzern ein kostenloses und legales Erleben von Musik, das mit Freunden auf der ganzen Welt geteilt werden kann. Der Musik-Streaming-Dienst stellt mittlerweile um die 30 Millionen Titel zur Verfügung, die genutzt werden können. Durch die optionale Verknüpfung des Spotify-Accounts mit dem eigenen Facebook-Profil kann man sich zudem mit seinen Freunden austauschen und Lieblingstitel teilen. In dem spannenden Interview mit dem Geschäftsführer Stefan Zilch, der für Deutschland, Österreich und die Schweiz zuständig ist, haben wir mehr zu dem Streaming-Service Spotify erfahren.

Wie sind Sie, Herr Zilch, zu Spotify gekommen?

Bevor ich im Mai 2012 bei Spotify anfing, war ich unter anderem bei Madvertise und bei MySpace tätig. Dort verantwortete ich die Vermarktung von innovativen Display‐, Audio‐ und mobilen Werbeformaten der Musik-­ und Entertainment Branche. Für meine heutigen Aufgaben bei Spotify sind diese gesammelten Erfahrungen perfekt.

Wie ist Spotify entstanden und von wem wurde es gegründet?

Spotify wurde 2006 von Daniel Ek und Martin Lorentzon in Stockholm gegründet. Beide Gründer wollten damals einen Gegenentwurf zur Musik-Piraterie schaffen und verhandelten mehrere Jahre mit Rechteinhabern, um den Musik Streaming Service im Oktober 2008 zu starten. Heute bietet Spotify seinen Nutzern ein breites Musikangebot kostenlos an. Aber viel wichtiger ist, dass wir dies legal tun und circa 70 Prozent unserer Einnahmen an die Musikindustrie abgeben.

Wie viele Menschen nutzen Spotify in Deutschland? Wie viele weltweit? Wie viele haben einen Unlimited oder Premium Account?

Spotify zählt weltweit über 24 Millionen aktive Nutzer, darunter mehr als 6 Millionen zahlende Abonnenten. Über 20 Prozent unserer Spotify Free Nutzer wechseln im Laufe der Zeit zu einem unserer werbefreien und für mobile Nutzung optimierten Abo-­Services.

In Deutschland sind wir im März 2012 gestartet. Wir bitten Sie aber um Verständnis dafür, dass wir keine länderspezifischen Daten veröffentlichen, da wir das für keines der Spotify-Länder tun

In welchen Ländern gibt es Spotify?

Spotify ist heute in 28 Ländern verfügbar: USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien, Irland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Portugal, Mexiko, Singapur, Hong Kong, Malaysia, Litauen, Lettland, Estland und Island.

Gibt es Verträge mit allen großen Plattenlabels? Warum kann man von manchen Künstlern keine Titel auf Spotify finden?

Jedes Label, das unter Musikpiraterie leidet, hat grundsätzlich ein Interesse daran, mit Spotify zusammen zuarbeiten. Daher unterhalten wir in allen Ländern intensive und enge Kontakte zu großen und kleinen Plattenfirmen.

Darüber hinaus stehen wir im Kontakt mit Künstlern, die ihre Rechte selbst oder über eigene Firmen vermarkten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist Metallica. Wer die Geschichte der Band kennt, ist über die Vorbehalte informiert, die sie einmal gegen die digitale Distribution ihrer Musik hatten. Aber das Modell Spotify hat sie überzeugt. Seit dem 6. Dezember 2012 bieten wir Metallica-Fans alle Songs aus den letzten 30 Bandjahren.

Manche Labels oder Bands entscheiden sich allerdings noch gegen die Distribution ihrer Inhalte über Musik Streaming Plattformen. Deshalb sind sie nicht auf Spotify zu finden.

Wie viele Künstler gibt es bei Spotify? Wie werden die Künstler finanziert? Wie viele Musik‐Titel gibt es ca. auf Spotify zu entdecken?

Die Zahl der Künstler ist schwer zu benennen, da jeden Tag zahlreiche neue in unsere Musik-Bibliothek aufgenommen werden. Spotify bietet weltweit mehr als 30 Millionen Titel an, täglich kommen über 20.000 neue Titel hinzu.

Gegenüber allen Vertragspartnern, egal ob es sich dabei um große Plattenfirmen oder kleine Indie-­Labels handelt, führt Spotify circa 70 Prozent der Einnahmen an die Rechteinhaber ab. Seit unserem Start 2008 in Schweden haben wir bereits über 500 Millionen US-­Dollar an Rechteinhaber und Verwertungsgesellschaften gezahlt. Allein im Jahr 2013 werden wir den gleichen Betrag an die Musikindustrie ausschütten. Der Trend zeigt eine deutliche Dynamik. (Weitere Informationen dazu finden Sie auch in der aktuellen Studie von PwC oder in einer aktuellen Umfrage von media control.)

Wie viele Mitarbeiter arbeiten bei Spotify? Wie viele in der Entwicklung, wie viele in der Wartung der Datenbestände und wie viele bei der Kundenbetreuung?

Weltweit beschäftigt Spotify momentan knapp 1.000 Mitarbeiter.

Wer ist ihre Zielgruppe und wie alt ist sie? Ist geplant, die Altersgruppe bei den Zielpersonen zu erhöhen?

Spotify richtet sich an alle Personen, die gerne legal Musik hören und von überall auf eine große Musikbibliothek zugreifen möchten – das Alter spielt dabei keine Rolle.

Wie wird am meisten bei Spotify Musik gehört? Über die App, Software oder den Webplayer ?

Das ist nicht so einfach zu beantworten, da wir mit unserem Geschäftsmodell unterschiedliche Nutzergruppen erreichen. Nutzer von Spotify Free spielen ihre Musik kostenlos immer von ihrem Computer, entweder über unsere Desktop‐ Software oder den Webplayer. Nur unsere Premium Nutzer können über unsere mobilen Apps streamen.

Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass ein Video-­Streaming-­Dienst wie Maxdome irgendwann auch Musik anbietet, oder Bertelsmann oder Sony irgendwann einen eigenen Dienst auf den Markt bringen?

Grundsätzlich begrüßen wir jeden Streaming Service, der den Menschen im Netz einen legalen Zugang zu ihrem Musikerlebnis bietet. Dabei möchten wir unseren Fans mit einem hochwertigen und schnellen Musikservice zur Verfügung stehen. Welcher Musikanbieter am Ende am besten gefällt -­ das sollen allein die Nutzer entscheiden.

Wie weit ist der Schritt vom Musik-­Streaming zum Video-­‐Streaming. Spielt dieser Gedanke bei Ihrer Zukunftsplanung eine Rolle?

Gerüchte um dieses Thema sind immer mal wieder im Umlauf. Es bleiben aber schlichtweg Gerüchte. Wir wollen nicht über die Zukunft spekulieren, sondern konzentrieren uns voll und ganz auf unser Musik-­Streaming Angebot.

Warum setzt Spotify auf soziale Interaktion? Benötige ich ein Facebook-­Konto für eine Anmeldung?

Musikhören ist ja ursprünglich eine rein soziale Erfahrung. Erst seit der Erfindung der ersten Aufnahmetechniken wie Platten und CD ‐ seit sich Musik also „konservieren“ lässt ‐ können wir uns eine Band oder ein Orchester auch allein im stillen Kämmerlein anhören. In Verbindung mit Facebook macht Spotify die Musik wieder zu einem echten Gemeinschaftserlebnis im Internet.

Musik zusammen mit Freunden genießen, Songs teilen, wie manche Musikfans das früher mit Mixtapes gemacht haben, gemeinsam alte und neue Titel entdecken – all das ist dank Spotify und Facebook so einfach wie noch nie. Unsere Fans sind von diesen Möglichkeiten begeistert. Sie haben bis heute weltweit mehr als 1 Milliarde Playlists angelegt.

In Deutschland ist die Registrierung mit E­‐Mail oder Facebook Account möglich, nach wie vor melden sich die meisten Nutzer über ihr Facebook­‐Profil bei Spotify an.

Können Sie diesen Satz vervollständigen? “Spotify ist der beste Musik-Streaming-­Dienst weil…”

…Spotify den Musikgenuss im Netz zum Gemeinschaftserlebnis macht, immer neue Entdeckungen ermöglicht und die Interessen der Musiker und ihrer Fans perfekt unter einen Hut bringt.

Informationen zum Autor

Christoph David Schneider

Christoph David Schneider

Christoph ist Gründer vom Onlinemagazin Startstories. Zurzeit studiert er Business Information Management (B.Sc.) an der Hochschule Osnabrück.

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