Interview mit Jan Wokittel, Mitgründer von 4-check

0

Da haben wir sie wieder, die deutsche Gründlichkeit. Das, worum uns die ganze Welt mehr oder weniger beneidet. Verkörpert wird sie dieses Mal durch Jan Wokittel und Jakob Scheidt, die auch noch zufälliger Weise (deutsche) Ingenieure sind. Mehr Stereotype gibt es nicht? Weit gefehlt: Mit 4-check präsentieren die beiden Entrepreneure die in der Schweiz leben ihr Startup für intelligente Bürokratie-Hilfe ausgerechnet im Bereich des Qualitätsmanagements.

Na, da kann ja wohl nichts mehr schief gehen, oder Jan?

Jan Wokittel: „Nein, eigentlich nicht, da wir Dienstleistungsqualität messbarer und transparenter gestalten und zwar überall da, wo Qualitätssicherungen durchgeführt werden. Also z.B. in der Reinigung, der Pflege, der Hotellerie oder auch in der Gastronomie.”

Was ist die Innovation von 4-check?

Jan Wokittel: „Wir unterscheiden uns maßgeblich von allen bisherigen Verfahren. Bisher wurde Qualität in mit Excel verarbeiteten Checklisten eingestuft. Prüfer haken manuell Punkte ab, die jemand einmal nach bestem Wissen und Gewissen formuliert hat. Abseits davon, dass diese Listen meist in Aktenordnern untergehen, sind sie nicht objektiv messbar.
Mit unserer App „4-check“ erfasst man erstmalig alle Daten, wodurch die App automatisch Auswertungen jeglicher Art zB durch Statistiken erzeugt. Um dem Vorzubeugen, dass die Kriterien willkürlich zusammengebastelt werden, haben wir unzählige Normen & Gesetze studiert und herausgeschrieben, was der Gesetzgeber verlangt. Somit ist das Unternehmen und auch der Prüfer selbst immer auf der richtigen Seite.”

Große Firmen haben ja schon ganze Abteilungen für das Qualitätsmanagement. Wo liegt da die Unterstützung durch 4-check?

Jan Wokittel: „Die Unterstützung liegt tatsächlich fast ausschließlich in der App, die wir zur Verfügung stellen. Zusätzlich bieten wir dem involvierten Unternehmen jedoch Hilfe an, bisherige Prüfungen in die App ein zupflegen. Mit der Premium Version der App geben wir unser Wissen kompakt weiter, wovon vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren. Es wird ihnen ermöglicht, Qualitätsprüfungen sicher, transparent und professional durchzuführen – ohne gleich den Personalaufwand für eine komplette Qualitätsabteilung aufzubringen.”

Und wer gehört im Unternehmen zu eurer Zielgruppe?

Jan Wokittel: „Unsere Zielgruppe liegt tatsächlich ab 35 bis 50 aufwärts. Dadurch ist auch bei der Programmierung drauf bedacht, dass sie besonders Usability-freundlich ist. Das heißt, es wird nur nicht mit Symbolen gearbeitet, sondern auch mit schriftlichen Erklärungen. Für die konservativen Unternehmen bedeutet das: Sie können weiterhin ihre manuellen Listen auf Papier abhaken, aber unser Knowhow Nutzen, um nach den gesetzlichen Standards zu agieren.
Klingt vernünftig, dass ihr euch auf die Rechtslage beruht. Jeder Jura Student lernt jedoch als erstes, das Rechtssache Auslegungssache ist. Gebt ihr Garantien für die Richtigkeit eurer App?
Nein. Wir benutzen die Phrase „in Anlehnung an“. Wir weisen darauf hin, worauf in der Norm geachtet werden sollte, aber natürlich können und wollen wir auch nicht dafür haften, wenn jemand etwas falsch macht.”

A pro pos falsch machen. Sind bei euch auch flexible Bausteine ein gepflegt, mit denen der Kontrolleur selber Anregungen notieren kann?

Jan Wokittel: „Daran arbeiten wir grade. Unser primäres Ziel ist jedoch, dass der User möglichst schnell starten kann, denn nur so ist unsere App effizient. Wie der Name „4-check“ schon sagt, kann der Nutzer in nur vier Schritten seine Prüfung erklären und innerhalb von 30 bis 40 Sekunden anfangen zu arbeiten. Der Kontrolleur steht nämlich nicht vor einem leeren Produkt bei der Kontoeinrichtung, sondern ihm wird bei der Einführung schon Hilfe an die Hand gegeben. Führt er z.B. Reinigungsprüfungen aus, werden ihm passend Vorschläge unterbreitet.”

Y cuánto cuesta?

Jan Wokittel: „Bis zu 30 Tage können die Unternehmen sich gratis von unserer Idee überzeugen. Danach haben wir drei verschiedene Preismodelle, die sich danach richten, wie umfangreich die jeweilige Prüfung sein soll. Kriterien sind z.B. Dauer, Anzahl der Kunden und der Aufträge. Das erste Modell kostet 15 Euro, das zweite 30 und unsere Deluxe Version 120 Euro monatlich. Vergleichsweise kosten gewöhnliche Qualitätsprüfungen von Audits mehrere 1.000 Euro täglich. Somit berufen wir uns wieder auf unsere Zielgruppe, den kleinen und mittelständischen Unternehmen ohne eigenes Qualitätsmanagement.”

Wie realistisch ist es, dass alt eingesessene Unternehmenskulturen sich von eurer App 4-check leiten lassen?

Jan Wokittel: „Unsere App 4-check spart Zeit und Budget im Arbeitsalltag und ist demnach besonders interessant für die Qualitätsprüfung. Zudem gehören wir zum Verein deutscher Ingenieure und dem deutschen Verband für Qualitätssicherung, die uns extern unterstützen. Wir kümmern uns zurzeit vor allem um Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Februar werden wir uns auf Frankreich und England ausweiten und somit Anfang 2017 die ersten lokalen Mitarbeiter in den verschieden Ländern haben für die GPS-Datenübermittlung für Prüfungen. Somit können wir zentral sehen: Wer hat wann was geplant?!”

Informationen zum Autor

Vanessa Opladen

Vanessa ist Redakteurin bei Startstories. Zurzeit studiert sie Psychologie an der Universität Osnabrück.